Konzeptuelle Modellierung
Die Realisierung von GIS-Anwendungen erfordert, dass ihre wesentlichen Eigenschaften formalisiert beschrieben werden, um sie später mit den Möglichkeiten des GI-Systems implementieren nutzen zu können. Dies geschieht durch die konzeptuelle Modellierung, eine Projektabschnitt, der in besonderem Maße gedankliche Arbeit auf abstraktem Niveau erfordert.
Die Formalisierung geschieht in mehreren Schritten: dem konzeptuellen Entwurf, dem logischen Entwurf und dem Implementierungsentwurf. Aus Anwendersicht steht die konzeptuelle Modellierung im Vordergrund:
- Wir beschreiben die Elemente der im System abzubildenden Wirklichkeit. Die Beschreibung umfasst die Entitäten selbst, ihre Eigenschaften und ihre Beziehung zueinander. Dabei kann es hilfreich sein, sich des Konzepts der Objektklassen zu bedienen.
- Wir formulieren graphische Darstellungsregeln für die Objektklassen.
- Wir definieren Arbeitsabläufe, Vorgänge und Prozesse für diese Objektklassen.
Im logischen Entwurf und Implementierungsentwurf erfolgt die Übertragung und Optimierung hinsichtlich der Möglichkeiten des künftigen GI-Systems. Details werden in BEHR (2000: 128-154) sowie im Beitrag von H.-R. Gnägi (GNÄGI 2002) in diesem Band beschrieben.
Die Bedeutung dieses Projektschritts sei nochmals hervorgehoben: Die konzeptuelle Modellierung macht deutlich und legt fest, welche Informationen in den künftigen GIS-Applikationen geführt und ausgewertet werden sollen.
Fachliche Konzeptentwicklung
Die Konzeption des künftigen Zustands erfolgt zunächst in fachlicher Hinsicht. Zu den überwiegend fachlich geprägten Festlegungen zählen die Definition der benötigten Informationsprodukte sowie die organisatorische Planung der technischen und fachlichen Zuständigkeit. Durch diese Regelungen sind Änderungen in der Organisationsstruktur möglich, die von geänderten Tätigkeitsbereichen und Zuständigkeiten bis zu Neueinstellungen reichen können. Durch die Planung der Qualifizierungsma8nahmen sind die Voraussetzungen für den effektiven künftigen GIS-Einsatz zu schaffen.
Abbildung 2: Beschreibung des GIS-Produkts "Bestandsplan Stadtentwässerung (BEHR 2000).
Informationsprodukte
Als Ergebnis der vorangegangenen Projektphasen werden innerhalb der tangierten Organisationseinheiten Informationsanforderungen deutlich, denen das System durch Bereitstellung verschiedener Informationsprodukte (Planarten, Auswertemöglichkeiten, ..., vgl. BILL 2002b) Rechnung tragen muss:
- Traditionelle Produkte: Diese GIS-Produkte entsprechen in ihrer Erscheinung weitgehend bisherigen Informationsarten und werden diese ablösen.
- Neue Produkte: Durch die GIS-Einführung werden auch neue Informationsprodukte geschaffen. In diese Kategorie fallen die Resultate vielfältiger Auswerte- und Ausgabemöglichkeiten, Dienstleistungen und Informationen, die zeitgerecht bereitgestellt werden können, z. B. in Form von thematischen Kartierungen und statistischen Auswertungen. Viele Produkte sind nur durch die digitale Informationsauswertung zeitnah verfügbar.
Durch die Zusammenstellung und Beschreibung dieser Produkte - ein Beispiel zeigt Abb. 2 - werden die spätere Nutzenuntersuchung sowie die Ausschreibung vorbereitet. Die Beschreibung ist so zu halten, dass produktspezifische Eigenschaften, Einsatzmöglichkeiten und Zielsetzungen deutlich werden.
Nach Systemeinführung können den einzelnen Informationsprodukten im Zuge einer Kostenrechnung Ausgaben und Einnahmen zugeordnet werden.