Zuständigkeiten

Im nächsten Schritt gilt es, Zuständigkeiten für die einzelnen Informationsprodukte festzulegen. Grundsätzliches Ziel muss es sein, dass die einzelnen Abteilungen entsprechend bisheriger organisatorischer Vorgaben für die Führung ihrer Daten verantwortlich bleiben. Allerdings sind dabei mehrfach geführte Daten zusammenzufassen und in die Zuständigkeit einer Stelle zu übergeben. Dabei kann zwischen fachlicher Verantwortung und praktischem Vollzug der Datenführung unterschieden werden.

Stufenkonzept

Für die Einführung von GIS-Applikationen und somit für die Beschaffung der GIS-Arbeitsplätze kann ein Stufenkonzept entwickelt werden. Für dieses Vorgehen können verschiedene Gründe vorliegen:
Mit der Realisierung, Einführung und Nutzung der Pilotanwendung werden Erfahrungen gewonnen, die in weiteren Stufen aufgegriffen werden können.

Informationstechnische Konzeptentwicklung

Im informationstechnischen Konzept werden die fachlichen Anforderungen aufgegriffen, um sie mit den Möglichkeiten der Informationstechnologie (IT) umzusetzen.

Komponenten

Die notwendige informationstechnische Infrastruktur wird sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzen:
Die Systemkonfiguration erfolgt in der Regel herstellerneutral. In ihr werden die GIS-Arbeitsplätze der verschiedenen Abteilungen hinsichtlich der notwendigen Komponenten, ihres Standorts sowie ihrer Hardware- und Softwarekomponenten beschrieben.
In vielen Fälle ist die Anbindung weiterer Programme oder Softwaresysteme, wie zum Beispiel kaufmännischer oder administrativer Software, ebenfalls zu berücksichtigen (siehe Beitrag von U. BERNHARDT (2002b) in diesem Band).
Neben der grundsätzlichen Konzeption der Kommunikationsstruktur gilt es auch, Fragen der Systemschnittstellen, Sicherheit und Datensicherung zu bedenken. Ebenfalls werden Vorgaben für die nötige Kommunikationsinfrastruktur (Vernetzung) entwickelt, die später in die Ausschreibung einfließen. Aufgrund der Komplexität der heutigen Kommunikationstechnologie können exakte (Produkt-) Vorgaben nur durch Netzwerkspezialisten, z. B. einer zentralen DV-Abteilung, erfolgen. Stehen derartige Mitarbeiter nicht zur Verfügung, erfolgt die Anforderungsbeschreibung aus Anwendersicht. Die konkrete Netzwerkplanung und Realisierung hat dann im Vorfeld der GIS-Beschaffung durch eine auf derartige Dienstleistungen spezialisierte Firma zu erfolgen oder wird im Rahmen der GIS-Ausschreibung durch den Anbieter, eventuell in Zusammenarbeit mit einer Spezialfirma als Unterauftragsnehmer, durchgeführt.

Konfigurationsalternativen

Bei kleineren GIS-Installationen oder begrenzten finanziellen Ressourcen kann der Einstieg in die raumbezogene Informationsverarbeitung mit einem Arbeitsplatzrechner erfolgen, der gleichzeitig als Datenbankserver und als graphisch-interaktiver Arbeitsplatz dient. Zu bedenken ist hierbei allerdings die eingeschränkte Systemverfügbarkeit bei Ausfall des Rechners. Bei Bedarf kann mit Ausbau der IT-Infrastruktur eine Erweiterung um weitere Arbeits- oder Auskunftsplätze erfolgen.
Bei Mehrplatzlösungen, die in der Regel anzustreben sind, kann die Datenhaltung in der Kommune zentral oder gegebenenfalls auch organisationsübergreifend gemeinsam mit Partnern vorgenommen werden.

Eigenentwicklung oder schlüsselfertige Lösung

Die Wahl zwischen Eigenentwicklung, schlüsselfertigen Standardlösungen oder Standardlösungen mit Anpassungen kann bei komplexen Systemen wie GIS als strategische Grundsatzentscheidung mit Folgen für Personaleinsatz, Kosten und Bindungen an den Systemlieferanten angesehen werden.
Bei Eigenentwicklung oder externer Auftragsentwicklung kann das Produkt gezielt auf die anwenderspezifischen Bedürfnisse hin entwickelt werden. Später kann eine rasche Anpassung an dynamische Änderungen innerhalb des Unternehmens erfolgen. Es entstehen ggf. Kosten für Entwicklungswerkzeuge und ?lizenzen sowie für die Qualifizierung und Einarbeitung der Mitarbeiter. Im Bereich Desktop-Mapping-Systemen ist jedoch gegenüber "großen" GI-Systemen mit geringerem Aufwand zu rechnen.
Für die Übernahme von Standardanwendungen bzw. Anwendungslösungen anderer Unternehmen oder Anwendergemeinschaften sprechen Zeit-, Kosten- und Qualitätsvorteile sowie eine gewisse Zukunftssicherheit. Hierbei sind allerdings Abstriche bezüglich des selbst entwickelten Datenmodells unumgänglich. Steht bereits zu einem frühen Projektzeitpunkt die Entscheidung zur Nutzung von Standardanwendungen fest, kann gegebenenfalls auf den Projektabschnitt "Konzeptuelle Modellierung" gänzlich verzichtet werden.
Eine Alternative stellt die Standardlösung mit Anpassungen dar. Hier sind jedoch die Zeitdauer für die Softwaremodifikation sowie die Kosten für Anpassung und Softwarepflege nicht unterschätzt werden.

Sicherheitskonzept, Datensicherungskonzept

Das informationstechnische Konzept wird auch Vorgaben zur Sicherheit von Hard- und Software beinhalten. Das Sicherheitskonzept dient der Verhinderung von Fehlern und der Reduzierung der Auswirkungen von fahrlässigen und kriminellen Handlungen, Software und Hardwarefehlern sowie äußeren Einflüssen. Störungen kann durch organisatorische, bauliche und technische Maßnahmen vorgebeugt werden. Grundlegende Informationen zu diesem Themenkomplex werden vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bereitgestellt (BSI 2002)
Beitrag des Datensicherungskonzeptes zur Sicherheit des Systems ist die Festlegung eines Verfahrens, das Daten und Software bei Ausfall oder Zerstörung auf einem möglichst aktuellen Stand wiederherstellt (restauriert). Die Sicherung kann lokal an den einzelnen Arbeitsplätzen oder zentral erfolgen. Generell gilt, dass mit den heute verfügbaren Kommunikationseinrichtungen eine einheitliche und zentral gesteuerte Datensicherung technisch möglich ist, insbesondere, wenn es sich um eine homogene DV-Umgebung handelt. Sie bietet sich in Organisationen mit zentraler DV-Stelle an. Das Konzept entlastet die Fachabteilung von Sicherungsarbeiten
Um die Netzbelastung bei zentraler Sicherung möglichst gering zu halten, werden die Sicherungen während der Nachtstunden automatisiert durchgeführt. Bei Ausfall des Netzwerks oder des Servers können die Systeme direkt lokal gesichert und ggf. die Daten restauriert werden.